Übersicht über bekannte Sprungkraftprogramme

Platform Shoes

Jump Soles, Strenght Shoes…

Neben den verschiedenen Sprungkraftprogrammen gibt es verschiedene Hilfsmittel und Trainingshilfen zur Sprungkraftsteigerung. Das bekannteste und populärste, vor allem bei Basketballern, sind sogenannte Platform Shoes, die bekannteste Variante davon heißt Jumpsoles.

Bei allen Varianten handelt es sich um Plattformen aus festem Gummi, die mit Gurten an die Füße über die normalen Sportschuhe geschnallt werden. Die Idee dabei ist, dass man dadurch gezwungen wird, permanent auf den Vorfüßen zu laufen, wodurch die Wadenmuskulatur bei allen Bewegungen und Übungen deutlich stärker belastet wird als mit normalen Sportschuhen.

Dadurch soll der Trainingseffekt von plyometrischen Übungen und Kraftübungen intensiviert werden, und die Hersteller versprechen deutlich größere Sprungkraftsteigerungen als durch das Training mit normalen Schuhen – geworben wird mit Sprungkraftsteigerungen von bis zu 30cm.

Jumpsoles – was bekommt man?

Zu den Jumpsoles gehört ein 10-seitiges Trainingshandbuch mit einem Trainingsprogramm und weiteren Hinweisen sowie ein Trainingsvideo. Das Trainingprogramm ist ein sinnvolles Sprungkraftprogramm mit überwiegend plyometrischen Übungen, aber auch allgemeine Kraft- und Stabilisationsübungen sind darin enthalten. Wichtige Aspekte zur Durchführung sowie Anleitungen zum Krafttraining fehlen jedoch.

Beim Kauf der Jumpsoles erhält man eine Garantie, die vergleichsweise bescheiden ausfällt – man bekommt sein Geld zurück, wenn man innerhalb eines Jahres nicht mindestens 5″ (= 12,5 cm) an Sprungkraft gewonnen hat.

Was bringen Platform-Shoes?

Ob das Training mit derartigen Hilfsmitteln tatsächlich wirkungsvoller ist als mit normalen Schuhen, lässt sich nicht sicher sagen. Diesbezüglich gibt es mehrere Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen, die keine eindeutige Aussage zulassen. Eine der Untersuchungen ergab beispielsweise, dass das gleiche Training, welches mit den Plattformschuhen ausgeliefert wurde, ohne diese Hilfsmittel sogar zu größeren Leistungssteigerungen geführt hat – und das bei geringerem Verletzungsrisiko. Andere Untersuchungen deuten dagegen auf eine etwas größere Leistungssteigerung hin.

Da die meisten Untersuchungen mit recht wenigen Probanden durchgeführt wurden, ist die Aussagekraft solcher Untersuchungen begrenzt. Die Erfolge, die viele Benutzer mit Jumpsoles erzielt haben, lässt sich nicht eindeutig den Jumpsoles selbst zusprechen – das damit verbundene Training hat eindeutig die größere Bedeutung.

Der Glaube daran, dass Jumpsoles einen bedeutenen Unterschied im Training ausmachen können, ist außerdem damit zu begründen, dass die Bedeutung der Wadenmuskulatur für die Sprungkraft oft überschätzt wird. Der Anteil der Wadenmuskulatur beim Springen beträgt allerdings maximal 25-30%, wobei dieser nicht bei allen Sportlern gleich groß ist. Die Bedeutung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur ist auf jedem Fall deutlich größer.

Man kann natürlich der Meinung sein, dass das Training mit Jumpsoles und die damit verbundene stärkere Beanspruchung der Wadenmuskulatur nicht schaden kann. Dabei muss man aber folgende Warnung aussprechen:
Durch die höhere Belastung der Wadenmuskulatur und der Achillessehnen ist das Verletzungsrisiko durch eine Überlastung wahrscheinlicher als mit normalen Schuhen. Das gilt vor allem für Anfänger. Hinweise zu einem erhöhten Verletzungsrisiko geben einige Studien sowie zahlreiche Erfahrungsberichte von Nutzern.

Auch wenn es sich dabei nicht um gesicherte Erkenntnisse handelt, würde ich allen Anfängern mit noch schwach ausgebildeter Muskulatur davon abraten, mit Jumpsoles zu trainieren.

Als Ergänzung zum Training mit normalen Schuhen kann das Training mit Jumpsoles in einigen Fällen durch zusätzliche Impulse aber sicherlich positive Effekte haben.In diesem Fall empfehle ich allen, die mit Jumpsoles trainieren wollen, die Trainingszeit damit langsam zu steigern und zunächst (oder auch dauerhaft) nur einen Teil des Trainings mit Jumpsoles auszuführen.

Jumpsoles proprioceptor system

Als Ergänzung zu den Jumpsoles gibt es seit einiger Zeit das sogenannte proprioceptor system. Dabei handelt es sich um ein Aufstecksystem (Plug in) für die Jumpsoles, die für ein kontrolliertes Ungleichgewicht sorgen und damit spezielle Anforderungen an die Muskulatur stellen.

Das Training auf einer instabilen Unterlage, bei dem die Fuß- und Beinmuskulatur den Körper stabilisieren muss und die dadurch besonders beansprucht wird, bezeichnet man auch als „Propriozeptives Training„, daher der Name dieses Zusatzsystems. Ein solches Training wird vor allem in der Physiotherapie nach Verletzungen angewandt.

Ein derartiges Stabilisationstraining ist ohne Frage wichtig und hilfreich als Begleitung zu einem Sprungkrafttraining. Ob es sinnvoll ist, beides miteinander zu kombinieren und die Übungen aus dem Trainingsplan damit durchzuführen, ist allerdings fraglich – die Benutzung dieser Zusatzmodule führt zwangsläufig dazu, dass die Trainingsgewichte reduziert werden müssen, was die Effektivität des Krafttrainings einschränkt.

Preis

Der Preis für die Jumpsoles beträgt in Amerika 79,99$, in Deutschland sind sie für knapp 100€ zu bekommen. Vertrieben werden sie über den amerikanischen Anbieter Jump USA von Amazon oder von KICKZ. Der Preis ist damit fast doppelt so hoch wie für das Jump Manual oder Vertical Mastery. Anscheinend fällt es aber vielen leichter, mehr Menge Geld zu bezahlen, wenn man etwas Greifbares bekommt, auch wenn man damit höchstwahrscheinlich keine besseren Resultate erzielt als mit reinen Informationen. Das zusätzliche proprioceptor Plug-In kostet noch einmal 37,50€.

Fazit

Der zusätzliche Nutzen von Jumpsoles oder anderen Plattformschuhen ist fraglich. Das damit verbundene Trainingsprogramm ist qualitativ in Ordnung, beschränkt sich allerdings überwiegend auf plyometrisches Training, und die Informationen sind insgesamt recht dürftig. Die Bedeutung von Kraft- und Krafttraining wird zwar erwähnt und optional empfohlen, eine konkrete Anleitung dafür gibt es allerdings nicht.

Als Gesamtpaket muss man sagen, dass man das Geld lieber in ein hochwertiges Sprungkraftprogramm investieren sollte, welches alle Aspekte der Sprungkraft berücksichtigt und alle Trainingskomponenten umfassend und ganzheitlich erfasst und beschreibt.

Selbst wenn die Verwendung von Plattformschuhen einen zusätzlichen Nutzen bringen kann, ist ein hochwertigerer Trainingsplan die effektivere und sicherere Variante, seine Sprungkraft zu steigern. Sicher lässt sich auch beides miteinander kombinieren – allerdings sollte man dabei ein wenig Erfahrung mitbringen, damit man die Belastungen richtig einschätzen kann.

Die große Popularität von Jumpsoles ist wahrscheinlich vor allem durch gutes Marketing zu erklären sowie damit, dass viele Menschen einfach mehr an die Wirksamkeit eines teuren physischen Produktes glauben als an die reiner Informationen. Dabei wird der Wert von Informationen allerdings deutlich unterschätzt. Entscheidend sind nun einmal die auf ein spezielles Trainingsziel ausgerichteten Trainingsprinzipien und deren Anwendung.

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